19.11.2011
Ist die „Einheitsschule" ein Einheitsbrei - oder ermöglicht sie es tatsächlich, Kinder individuell zu fördern.
Schwandorf. Am Bezirkselterntag Oberpfalz des Landeselternverbandes Bayerischer Realschulen wurde dies in einer emotionalen Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Schule intensiv diskutiert. Das Thema der Veranstaltung an der Mädchenrealschule St. Josef lautete „Einheitsschule - wäre das gut für unsere Kinder?". Martin Güll, der Vorsitzende des Bildungsausschusses der SPD im Landtag, stand mit seiner Meinung ziemlich alleine da: Güll und die SPD sind für einem Zusammenschluss von Haupt/Mittel- und Realschule. Er distanzierte sich jedoch von dem Begriff Einheitsschule. Im bildungspolitischen Programm der SPD, das von einer Realschulrektorin als „Ohrfeige für die Realschulen" bezeichnet wurde, plädiert die SPD für die Gemeinschaftsschule, bei der alle Schülerinnen und Schüler unter einem Dach unterrichtet werden. Zur Diskussion stand bei der Veranstaltung jedoch nur die Zusammenlegung von Haupt/Mittel- und Realschule. Dies hat ja auch der Parteitag der CDU vor einigen Tagen unter dem Begriff „Oberschule" beschlossen. Schüler, die den Übertritt an das Gymnasium nicht schaffen, sollen ohne Notenhürden diese „Einheitsschule" besuchen dürfen. In dieser Schulart sollen die Kinder dann individuelle Förderung ihrer Stärken erfahren. Am Ende der Schullaufzeit muss der gleiche Abschluss geschrieben werden wie an den bisherigen Realschulen. „Dass sich etwas ändern muss, ist keine Frage. Rückläufige Schülerzahlen werden unsere Schulen in den nächsten Jahren treffen und Dorfschulen werden schließen müssen, wenn sich nichts tut", sagte Güll. Oberbürgermeister Helmut Hey lieferte hierzu die Zahlen: In zehn Jahren werden 45 Prozent der Schwandorfer über 65 Jahre alt sein. Es werde zudem immer weniger Kinder geben.
Dr. Karl Vetter, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, sieht hier
jedoch kein Problem. „Wir brauchen kleinere Klassen und mehr Lehrer."
Gegen die Einheitsschule sprach sich Hans-Peter Landsmann, der
Bezirksvorsitzende des Landeselternverbandes der Realschulen aus: „Wir
haben bereits ein dreigliedriges Schulsystem, in dem Kinder nach ihrer
Begabung unterrichtet werden. In den jeweiligen Schularten hat man dann
nochmals zahlreiche Wahl-Möglichkeiten, um gefördert zu werden. Ich
verstehe nicht, warum man das alte System nicht beibehalten kann." Bernd
Bischoff, der Bezirksvorsitzende des BRLV, appellierte daran, die
Reformen der letzten Jahre erst einmal wirken zu lassen: „Man muss nicht
ständig eine neue Reform oben drauf packen. Das Schulsystem umzubauen
und dabei die Klassenstärken zu reduzieren
ist finanziell gar nicht möglich."
(Quelle: Mittelbayerische Zeitung)
Eine Ohrfeige für die Realschulen? (PDF-Format, ca. 162 KB)